Bauhüttenluft Schnuppern
Henrike de Boer absolvierte von März bis August 2020 ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege. In dieser Zeit lernte sie die unterschiedlichen Arbeitsfelder des Münsterbauvereins kennen.
Vom Norden in den Süden
Ursprünglich stammt die 22-jährige Henrike aus Hamburg. Für ihr Landschaftsarchitektur-Studium hat es sie jedoch nach Neubrandenburg, eine Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern, verschlagen. Dort ist das sechste Semester als Praxissemester vorgesehen - für Henrike ein guter Grund, einmal den sonnigen Süden Deutschlands kennenzulernen…
Begeistert von der Vorstellung, ein Handwerk zu erlernen, sich kunsthistorisches Wissen anzueignen und auf dem Baugerüst am Freibuger Münster zu arbeiten, hat sie sich über die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) für ein sogenanntes "Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege" beworben - und ist in der Freiburger Münsterbauhütte gelandet, die seit 2020 eine Einsatzstelle bietet.
Über den Dächern Freiburgs
Erste Steinmetz-Erfahrungen sammelt Henrike in der Werkstatt der Münsterbauhütte. Mit dem nötigen Schwung, aber auch mit genug Feingefühl bearbeitet sie den Buntsandstein und kann schnell Erfolge feiern. "Mein erstes kleines Werkstück ist eine Hausnummer aus Stein. Nachdem ich die Oberfläche begradigt habe, schlage ich Flächen aus, sodass eine 63 stehen bleibt. Zum Schluss kann ich den Stein noch auf die passenden Maße zusägen."

Ausgestattet mit einer Atemmaske gegen Feinstaub, einer Schutzbrille und Oropax hat Henrike dann auch ihre erste Vierung für die Baustelle am Langhaus Nord geschlagen. Eine Vierung ist vergleichbar mit einer Zahnfüllung, nur in Stein - ein Teil-Ersatz für stark beschädigte Bestandteile am Münster.
Forschen, Sammeln, Bewahren
Im Wechsel zwischen Baustelle, Büro und Werkstatt lernt Henrike auch das Bauhüttenmuseum kennen. Hier wird gezeigt, wie die SteinmetzInnen arbeiten, außerdem sind alte Werkzeuge und Modelle ausgestellt, die viel über die Baugeschichte des Freiburger Münsters verraten. Doch was die BesucherInnen im Museum sehen können, ist nur ein geringer Teil einer umfangreichen Stein- und Gipssammlung, die sich auf dem Gelände der Münsterbauhütte befindet. Auf insgesamt fünf Etagen werden historische Bauteile gelagert und konserviert. "Im ersten Augenblick eine unüberschaubare Masse für mich", so Henrike nach der ersten Erkundungstour durch das Gebäude.
Im kunsthistorischen Bereich unterstützt die FSJ'lerin die Kunsthistorikerinnen bei der Inventarisierung der Gips- und Steinsammlung. Alle Stücke müssen beschriftet, gemessen und fotografiert werden. Die gesammelten Infos werden in eine Datenbank eingetragen, um auch die kleinsten Fragmente bei Recherchen schnell wiederfinden zu können. Beeindruckt ist Henrike nicht nur von den Stücken selbst. "Die Kunsthistorikerinnen können mir zu fast jeder Figur die Geschichte erzählen – egal ob beeindruckender Wasserspeier oder kleiner Gipsabguss".
Im kunsthistorischen Bereich unterstützt die FSJ'lerin die Kunsthistorikerinnen bei der Inventarisierung der Gips- und Steinsammlung. Alle Stücke müssen beschriftet, gemessen und fotografiert werden. Die gesammelten Infos werden in eine Datenbank eingetragen, um auch die kleinsten Fragmente bei Recherchen schnell wiederfinden zu können. Beeindruckt ist Henrike nicht nur von den Stücken selbst. "Die Kunsthistorikerinnen können mir zu fast jeder Figur die Geschichte erzählen – egal ob beeindruckender Wasserspeier oder kleiner Gipsabguss".
Schnöde Theorie - von wegen!
Neben der praktischen Arbeit in der Freiburger Bauhütte sind mehrere, vom Trägerverband organisierte, Seminare Bestandteil ihres FSJs. Die Corona-bedingte Umstrukturierung dieser Pflichtveranstaltungen hat zur Folge, dass sich die Freiwilligen online austauschen und private Exkursionen unternehmen - stets mit einer Aufgabenstellung im Gepäck. Ziel der letzten Seminarwoche war zum Beispiel, ein eigenes kleines "Denkmalpflegeprojekt" durchzuführen. "Dafür habe ich mich dann auf den (kurzen) Weg nach Frankreich und in die Schweiz gemacht", so Henrike über ihr Projekt „3 Länder – 3 Städte – 3 Münster“, für das sie sich nacheinander die Münster in Basel, Colmar und Freiburg angeschaut hat. "Mit meinem in der Freiburger Bauhütte erworbenen Wissen konnte ich die drei Kathedralen miteinander vergleichen, bauliche Ähnlichkeiten und interessante Unterschiede feststellen."




