Wenn der junge Steinmetzgeselle Luca Stöhr über seine Ausbildung in der Freiburger Bauhütte spricht, dann überzieht ein zufriedenes Lächeln sein Gesicht. Während seiner dreijährigen Lehrzeit (2017-2020) ist Luca in die Rolle des Steinmetzes hinein- und nicht nur einmal über sich selbst hinausgewachsen. Mit uns blickt er auf seine Ausbildung in der Freiburger Bauhütte zurück.
Dass er nach seinem Abitur im Sommer 2017 nicht direkt studieren, sondern ein Handwerk erlernen und etwas mit seinen Händen (er-)schaffen möchte, ist für Luca klar. Dass er sich für das Steinmetzhandwerk entscheidet, mag dabei nicht verwundern: Als Sohn eines Steinbildhauers (auch am Freiburger Münster tätig), ist er quasi in der Steinwerkstatt aufgewachsen…
Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist es dann auch der Vater, der den Abiturienten berät und folgende Empfehlung ausspricht: „Wenn es tatsächlich das Steinmetzhandwerk sein soll, dann ist die Bauhütte der richtige Ort. Näher als dort kannst du dem Handwerk nicht kommen.“ Luca folgt dem Rat seines Vaters und bewirbt sich früh für ein Orientierungspraktikum in der Freiburger Münsterbauhütte. Kurz danach erhält er die Zusage für den Ausbildungsplatz und sieht seinen Abiturprüfungen „entspannt“ entgegen.
Doch was macht den Charme der Bauhütte aus? Besonders, so der junge Geselle, sei die Nähe zum Freiburger Münster: „Als Kind habe ich meinen Vater oft zum Münster begleitet. Er hat immer viel von seiner Arbeit dort und auch vom Bauwerk erzählt.“
Dass sich diese Begeisterung auf Luca übertragen hat, ist unverkennbar. Der Arbeit der Steinmetz-Generationen vor ihm zollt der junge Geselle großen Respekt und Anerkennung. Als er selbst zum ersten Mal die Erfahrung macht, bauzeitliche Substanz und historisches Material zu bearbeiten, wird ihm schnell bewusst, welche Verantwortung er als Münstersteinmetz trägt.
Schon während der Lehrzeit übernimmt Luca jene verantwortungsvolle Aufgaben. Zum Beispiel schlägt er eine Kreuzblume für den Chor des Freiburger Münsters. Die Bewältigung dieses Projekts empfindet er als besonders prägend und wichtigen Lernprozess. Das ihm und seinen Fähigkeiten entgegengebrachte Vertrauen, die Erfahrung, das eigene Limit maximal auszureizen, die Freiheit, über einen nichtdefinierten Zeitraum hinweg an einem Werkstück arbeiten zu dürfen, wovon niemand weiß, ob es schlussendlich „verwendet“ werden kann, ist für Luca eine herausragende Erfahrung. Dieses Projekt stärkt sein Selbstverstrauen und ist eine wichtige Lernerfahrung – mit Blick auf seine handwerklichen Fähigkeiten, vor allem aber auch für die eigene Persönlichkeitsentwicklung.
Im Laufe seiner Lehrzeit hat Luca einen selbstverständlichen Umgang mit seinem Werkzeug erlernt. Ganz oben auf seiner Beliebtheitsliste stehen das Zahn- und Spitzeisen. „Mit dem Spitzeisen kann man ordentlich Material abtragen, man kann bis ans ‚Limit arbeiten‘, aber niemals darüber hinaus“, erläutert der junge Steinmetz. Es sei ein schmaler Grat zwischen maximaler Effizienz und maximaler Zerstörung. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Zahneisen. Mit diesem Werkzeug werden Grundformen angelegt: „Man kann sich an Rundungen annähern und organische Formen sowie Schwünge festlegen“. Bei der Bearbeitung des Steins sind alle Sinne gefragt – Fühlen, Sehen, Hören. „Das Werkzeug leitet, ist eigentlich nur eine Verlängerung des Arms und der Hand“. „Man lernt zu hören, denn das Material spricht mit dir“, schwärmt Luca und fasst es so zusammen: „Das Eisen gibt Feedback“.
Die Ausbildung in der Bauhütte erfolgt im Kollektiv. Zwar ist immer ein Ausbilder für einen Azubi verantwortlich, doch auch das (Ab-)schauen und der Austausch mit allen Kollegen/-innen sind wichtige Bestandteile der Lehrzeit. Ebenso der Wechsel zwischen der Werkstatt und der Arbeit an den Münsterbaustellen. „Das Schöne sind auch der Zusammenhalt der Mannschaft, das funktionierende Miteinander und die ausgeglichene Grundstimmung“, ergänzt Luca.
Das Gesellenstück des Steinmetzen ist Spiegel seiner Ausbildung und sichtbares Zeugnis für sein Feingefühl im Umgang mit dem Buntsandstein. Der Ausschnitt eines Maßwerks aus einem Chorfenster des Freiburger Münsters ist aus Seedorfer Sandstein gefertigt. Dieser relativ weiche, homogene und feinkörnige Stein eignet sich besonders gut für detailreiche Arbeiten. Dass Luca sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, ist unverkennbar, der Kammer- und Landessieg bescheinigen dies.
Doch Luca ist nicht der Typ, um deshalb gleich vom Boden abzuheben. Er weiß und unterstreicht mit Nachdruck: „Ihren Ursprung haben diese Auszeichnungen in der guten Ausbildung, die ich in der Freiburger Bauhütte durchlaufen durfte“.





