Aktuelle Arbeiten am Chor

 
 
Der Münsterchor fordert seit einigen Jahren die volle Aufmerksamkeit der Münsterbauhütte. Durch die Wahl eines mangelhaften Steins in der Vergangenheit bröckelt es an vielen Stellen, und es sind umfangreiche Konservierungsarbeiten nötig. Ziel ist es, die Standsicherheit weiter zu gewährleisten, dem Formverlust vorzubeugen und damit den hoch-, spät- und neugotischen Chor wieder in seiner Pracht und Schönheit zu zeigen – z. B. den einzigartigen gefalteten Kapellenkranz oder die "Vorzeige-Gotik" der meisterhaften Strebepfeileraufsätze.
 
Wie immer gilt es, mittelalterliche Substanz schonend zu erhalten und gegebenenfalls Fehlendes zu ersetzen. Nun sind wichtige Etappen geschafft: Das Gerüst am westlichsten Strebepfeiler konnte Ende 2025 abgebaut werden. Der Heilige Georg thront frisch herausgeputzt auf seinem Pferd und und kann seiner Aufgabe als Schutzpatron der Stadt wieder mit freier Sicht nachkommen.
 
Prächtiger Bauschmuck am Strebepfeileraufsatz 10/11
Aber: Wo ein Gerüst verschwindet, ist das nächste leider nicht weit, denn unser Münster benötigt stetige Pflege. In den kommenden Jahren ist der zweite Strebepfeiler auf der Chor-Südseite an der Reihe. Eingerüstet ist er bereits, nun wird genau untersucht, welche Steine neu gehauen werden müssen und wo eine Konservierung ausreicht. Ziel ist wie immer, möglichst viel von der historischen Bausubstanz zu erhalten.

Unter den Strebepfeilern am Freiburger Münster kommt diesem aufgrund seiner ungewöhnlich reichen Gestaltung besondere Bedeutung zu: Baldachine und Konsolen zieren nicht nur die Stirnseite, sondern ziehen sich um den ganzen Pfeiler herum. Die Frage stellt sich, ob auch eine Figurenausstattung geplant war. 1849 wurde dem Strebepfeiler der Aufsatz hinzugefügt. Dessen neugotische Gestaltung empfand man schon bald als „technisch und künstlerisch verfehlt“. In den 1920er-Jahren wurde er neu interpretiert. Im Zuge dieser Maßnahme wurden fast alle spätmittelalterlichen Zierteile des Strebepfeilers durch exakte Kopien ersetzt – leider mit witterungsanfälligem Steinmaterial.

Anstelle von ursprünglich drei, verjüngt der Aufsatz sich zu zwei schlanken Türmchen, Fialen genannt. Das ist einzigartig: Keinen anderen Aufsatz am Freiburger Münster krönen zwei gleichhohe Fialen. Diese Spitzen neigten sich allerdings gefährlich Richtung Münsterplatz und mussten bereits vor einiger Zeit abgenommen werden. Sie werden nun in der Werkstatt von unseren Steinmetzen kopiert, weitere Stücke für den Aufsatz werden folgen.
 
Für den Frühsommer ist ein Konservierungskolloquium, zur Auslotung der Möglichkeiten, wie Plattensandstein zukünftig besser konserviert werden kann, in Planung.
 
Die schiefen Türme von Freiburg. Die Spitzen wurden mittlerweile abgenommen und der Strebepfeiler eingerüstet.
 
Die ersten Steine der beiden Spitzen werden in der Werkstatt neu gehauen.
 
Die Korbonsole ist - als letzte der prächtigen Kopien für den Strebepfeileraufsatz 14/15 - bereit für den Versatz.
 
Aufwändige Kopien für das Strebesystem 14/15
Am östlichen Chor-Ende sind die Perspektiven gut: Hier steht seit über acht Jahren ein Gerüst. Es diente dem Aufbau des neuen Strebepfeileraufsatzes 13/14, neue Brüstungselemente wurden ausgetauscht, der Affen-Wasserspeier konserviert sowie aufwändige Kopien für den Strebepfeiler 14/15 gefertigt und eingesetzt. Nun ist das Ende der Restaurierungsarbeiten in Sicht: Letzte Vierungen werden eingepasst, Fugen geschlossen und der Sockelbereich gereinigt. Ende des Jahres 2026 heißt es dann hoffentlich: abrüsten. Freuen Sie sich auf ein Wiedersehen mit dem östlichen Chorgemäuer und den Strebepfeilern!
 
Werk nach Maß: neue Maßwerkbrüstungen für den Chor
Auch an einigen Maßwerkbrüstungen sind große Risse unübersehbar: Gleich vier Maßwerkfelder, die jeweils aus drei Maßwerken bestehen, müssen in der nächsten Zeit ersetzt werden. Drei davon wurden am Joch 15 bereits eingebaut, weitere folgen in den kommenden Jahren. Als nächstes ist das Joch 11 an der Reihe. Hier sind die Maßwerkfelder bereits fertig gehauen und werden im Frühsommer versetzt. Zudem werden Schäden wie Risse, offene Fugen oder abblätternde Steinoberflächen an der darunterliegenden Wand sowie an den Wändern der benachbarten Joche behoben.
 
Die neuen Maßwerkfelder werden versetzt.